Naturgarten

6. April 2020

Türkentaube beobachtet uns durchs Fenster

2019/20 war das zweit­mildeste Winter­halbjahr seit 1864.

Die Vegetation ist nun weit fort­geschritten, das Gras wächst, die Kirschbäume haben schon dicke Knospen, frühe Blumen blühen.

Und wir Menschen? Um die Ausbreitung des neuen Pandemie-Virus Sars Cov2 einzudämmen empfiehlt das BAG: "Bleiben Sie zu Hause, arbeiten Sie im Garten, richten Sie den Balkon ein..."

Taubenparade vor dem Stubenfenster

Damit Sie Ihren Balkon oder den Garten trotz geschlossener Gärtnereien hübsch einrichten können, lohnt es sich, im Internet nach Lieferdiensten für Wildpflanzen und Gemüsesetzlingen zu suchen oder Sie können auch Wildblumensamen online bestellen und die Pflänzchen selber aufziehen.

Vögel im Garten

Am 20. März 2019 landete ein Graureiher auf unserem Hausdach - hübsch, nicht wahr? Und ja, er blieb bis nach dem Fotoshooting!

Graureiher jagen Kleinsäuger auf Wiesen, Äckern und an Strassenböschungen, sie lauern Amphibien in Feuchtgebieten und an Weiherufern auf und sie fischen an Flüssen und Seen.

Der Graureiher wurde 1929 unter Schutz gestellt und ist seither nicht mehr akut gefährdet.

 

Rotkehlchen

Kälteeinbruch

Alle Wetterstationen meldeten auf den 29. März für den Abend einen Kälteeinbruch mit Schnee und Eis.

Am 29. März am Mittag war unser Garten voller Vögel. Sie suchten die Wege, die Trocken- und die Rosenrabatte ab.

Türkentauben, Elstern, Amseln, Buchfinken, Rotkehlchen, Bachstelzen, Kohl- und Blaumeisen sowie Goldammern suchten in der Erde und an Sträuchern Futter - und wurden dabei durch die geschlossenen Stubenfenster fotografiert.

Goldammer, Männchen
Buchfink, Weibchen

Vögel können sich in kürzester Zeit auffüttern und Fettreserven anlegen.

Am 30. März und folgende Tage herrschten eisige Temperaturen, auch lag etwas Schnee.

Woher aber haben die Vögel gewusst, dass es nochmals kalt wird?

Unterschlupf bei der eingefallenen Holzbeige am 31. März 2020
Buschwindröschen in der Abendsonne am 19. März 2020

Wildbienen

Zweifarbige Sandbiene auf Schlüsselblume
Gehörnte Mauerbiene
Frühlingspelzbiene, Weibchen

In hohem Tempo besuchen die Frühlings­pelzbienen-Männchen erste Blüten und markieren die besten Sammelrouten für ihre Weibchen.

Diese verlassen ihre Brutzellen erst 10-14 Tage später.

Im Bild oben schlüpft ein Frühlings­pelzbienen-Weibchen aus dem Boden, es hat hier als fertige Biene überwintert.

Erste Blumen: Schlüsselblumen und Hohler Lerchensporn
Taubenschwänzchen auf Hohlem Lerchensporn

Wanderfalter im Klimawandel

Taubenschwänzchen überwintern in Südeuropa oder in Nordafrika und fliegen im Juni bei uns ein.

Dank des unglaublich warmen Winters ist es diesem Taubenschwänzchen offensichtlich gelungen, trotz seiner Frostempfindlichkeit bei uns zu überwintern. Auch anderen Wanderfaltern gelingt die Überwinterung in Mitteleuropa immer häufiger. Bereits vor drei Wochen habe ich einen Admiral gesehen, er ist ebenfalls ein Wanderfalter.

Blumentöpfe:
Fit für den Sommer

In unseren Blumentöpfen wachsen Wildblumen der Trockenstandorte. Sie sind bescheiden in ihren Ansprüchen und blühen in leuchtenden Farben.

Die meisten Pflanzen wachsen schon seit vielen Jahren im selben Topf. Sie erhalten jetzt lediglich oben drauf zwei, drei Zentimeter frische Blumenerde, ausserdem schneide ich die dürren Stängel zurück.

Die Töpfe sind häufig zu dicht bewachsen, weil die Pflanzen der Nachbarstöpfe sich ausgesamt haben - dann müssen die Töpfe ausgelichtet werden.

Im Frühling und den Sommer über erhalten die Topfpflanzen ein paar Mal etwas flüssigen Biodünger - und bei Trockenheit natürlich Wasser!

Diese Weinbergtulpe blüht zum zweiten Mal - innert 15 Jahren!
Huflattich in der Blumenrabatte des Gemüsegartens

Erdkröten laichen im Teich

Mitte März waren sie plötzlich da! Mindestens drei Erdkrötenweibchen - und huckepack auf ihnen die Männchen. Weitere Männchen warteten ebenfalls auf ihr Glück. Bald spannten sich die Laichschnüre um die dürren Stängel des Kleinen Rohrkolbens.

Mit grosser Ruhe und ohne sich in die Quere zu kommen, wir gelaicht

In den folgenden Nächten herrschte Frost und über dem Teich lag nachts und am Vormittag eine dicke Eisschicht. Wir bangten um die Krötchen.

Aber jetzt, am 6. April, hängen winzige kleine Kaulquappen in den Laichschnüren, sie haben offensichtlich überlebt. Wir freuen uns sehr!

Gartenteich im Abendlicht am 26. März 2020

Die Laichschnüre sind im Bild vorne - im Wasser - um die letztjährigen Rohrkolbenstängel gelegt. Es sind viele tausend Kaulquappen!

25. Februar 2020

Elfenkrokusse
Eichelhäher im Gewöhnlichen Schneeball mit roten Beeren
17. Febr. 2020: Erste Schlüsselblumen

Nein, schöne Schnee­fotos gibt es immer noch keine - dazu ist es viel zu warm.

Uns betören momentan blühende Krokusse, Schlüsselblumen, Nieswurze und Schneeglöckchen. Sie ziehen unsere Blicke magisch an.

Warum wohl? Wir sind doch gar nicht gemeint, schliesslich sind wir keine Käfer, Bienen, Wespen oder Schmetterlinge! Warum faszinieren sie uns trotzdem?

lila Krokusse unter dem Rosenstrauch
Elfenkrokusse in der Rabatte vor dem Haus (Bild 17.02.20)

Auch die Pflasterfugen haben sich bereits gerüstet. Nur noch etwas Wärme und Licht und es wächst.

Oder ist dies etwa ein Tiny House für Pflanzen? Pflanzen können nämlich nicht nur dicht beisammen stehen, nein, sie können auch sehr, sehr viel kleiner als ihr Standard sein, trotzdem sind sie gesund. Auch als allerkleinste Winzlinge können sie Samen bilden und sich vermehren.

Übersicht: Garten vor dem Haus
Kiesrabatte vor dem Haus (Bild 17.02.20)

In winterlichen Gärten spielen dürre Samenstängel eine wichtige Rolle, sie geben dem Garten hübsche Struktur und lassen ihn lebendiger erscheinen.

Nieswurz im Morgenlicht
Nieswurz in der Hochstaudenflur

Frühe Blüte ohne Hummeln

Die Nieswurz blüht - aber keine Hummel weit und breit!

Wo sind alle die Königinnen der Grossen Erdhummel? Ist es noch zu früh?

Da springen jetzt die Honigbienen ein - die sind Haustiere und werden bei Bedarf gefüttert. Sie sind somit unabhängiger von schwierigen Wetterlagen.

Hell leuchtende Samenstände von Rosmarinweidenröschen
Hübsch, nicht wahr? Samenstände von Wilden Möhren und Rosmarinweidenröschen, Golddistel u.a. (Bild: 12.01.2020)

Stein- und Totholzhaufen

Wir haben unseren Steinhaufen und den Totholzhaufen vergrössert.

Holz- und Steinhaufen im Gegenlicht
Stein- und Totholzhaufen

Recycling von Laub und Holz

Wie kommt es, dass Laub und Pflanzenstängel im Frühling federleicht und fast weiss sind?

Einfach so? Nein - es ist Recycling vom feinsten! Pilze, Bakterien und Kleinstlebewesen bauen das Pflanzenmaterial in vielen aufeinander abgestimmten Schritten allmählich ab. Was bleibt ist feiner Humus - das Ausgangsmaterial für neues Pflanzenwachstum.

Holz- und Steinhaufen mit integriertem Spaltstock
Der Holzhaufen ist länger geworden - jetzt kann er noch in die Höhe wachsen

Beim Bau von Stein- und Holzhaufen haben wir darauf geachtet, dass verschiedenen Hohlräume als Unterschlupf für Kleinsäuger, Reptilien, Amphibien und Insekten entstanden sind.

Pilze auf Totholz

Im Winter wachsen im Garten auf alten Baumstrünken und auf anderem Totholz viele verschiedene, wunderhübsche Pilze.

Orangerot/weiss und grau/orange gestreifte Pilze
Schmetterlingstrameten auf Schlehdorn (18.02.2020)?
Weisse Pilze direkt am Holz
Striegelige Trameten
auf Schlehdorn (17.12.2019)

Trameten

Trameten sind Weiss­fäulepilze. Weiss­fäulepilze können als Einzige den gelben Holzbaustoff Lignin abbauen.

Holz besteht zu ca. 50 % aus Zellulose, der Rest sind Hemizellulose und Lignin. Weiss­fäulepilze bauen alle drei Holzbaustoffe ab, am Schluss bleibt aber etwas von der weissen Zellulose übrig. Holz, Pflanzenstängel und Laub sind nun durch den Abbau leicht und weiss geworden.

Orange gestreift Pilze mit weissem Rand
Ockerfarbene Trameten
auf Schlehdorn (18.02.2020)?

Wenn die Pflanzenstängel im Herbst stehen bleiben, erscheint daher der Garten im Laufe des Winters immer heller und silbriger.

Warten auf den Frühling

Jedes Jahr überwintert ein Tagpfauenauge an der Decke unseres Futtertenns, einem Nebenraum des Stalls. Der Raum ist frostfrei und nicht allzu trocken.

Wenn es etwas wärmer wird, öffnen wir das Fenster, damit er bei genügend warmem und trockenen Wetter ausfliegen kann.

Aber wie stellt er das fest? Das Fenster ist doch sehr klein, der Raum dunkel und bis in den Sommer hinein recht kühl.

Kornellkirsche in der Wildsträucherhecke (28.02.2020)

Und übrigens, ich habe am 24. Februar 2020 bereits einen Admiral vorbeifliegen gesehen!