Naturgarten

Wildbienen im Naturgarten

Die meisten Wildbienen sind recht kleine und flinke Bienen. Wer genauer hinschaut, sieht die hübschen Bienchen entweder auf den Blüten bei der Nahrungssuche oder auf Steinen, wenn sie sich aufwärmen.

In der Schweiz leben über 600 Wildbienenarten. Sie befruchten, zusammen mit den Schwebfliegen, zwei Drittel unserer Kulturpflanzen. Sie sind somit für uns Menschen unentbehrlich.

Viele Wildbienen sind vom Aussterben bedroht!

Ein Männchen der
Roten Mauerbiene wärmt sich auf

Mehr als die Hälfte der Wildbienenarten sind auf der Roten Liste, das heisst, sie sind vom Aussterben bedroht.

Wildbienen brauchen ein reiches und lang andauerndes Blütenangebot sowie geeignete Nistmöglichkeiten in der Nachbarschaft.

Pestizide und moderne Saatbeizmittel gefährden die Wildbienen. Bio-Lebensmittel sind eine Alternative!

Wildbienen bauen Brutzellen

Für das Brutgeschäft sind ausschliesslich die Wildbienenweibchen zuständig. Die Männchen, oder die Drohnen, decken die Weibchen und sterben dann früher als diese.

Bei fast allen Wildbienenarten legt jedes Weibchen seine eigenen Brutzellen an. Diese baut es in Käferfrassgänge im Totholz, in Nischen von Trockenmauern, in Lehmwände, in Sand- oder Lehmböden, einzelne bis einen Meter tief in den Boden.

Brutzellen aus Lehm in einer Fensternut

Proviant für ein ganzes Jahr

In jede Brutzelle legt die Wildbiene ein Pollen- und Nektargemisch sowie ein Ei. Dieser Proviant reicht für die ganze Entwicklung vom Ei zur Larve, zur Puppe - bis nach einem Jahr nach der Eiablage eine fertige Wildbiene schlüpft.

Ein Wildbienenweibchen legt in seinem vier- bis sechswöchigen Leben maximal 10 - 30 Brutzellen an. Für jede Brutzelle braucht es Pollen und Nektar von vielen Dutzend Blüten.

40 mal muss eine Biene hin- und herfliegen, um eine einzige Brutzelle zu füllen. Liegen Nistplatz und Blütenangebot zu weit auseinander, können die Wildbienen nicht genügend Brutzellen mit Proviant versehen. In der Folge ist ihr Bestand gefährdet.

Nisthilfen für Wildbienen

Nestverschluss
im alten Scheunentor

Etwa ein Viertel aller Wildbienen bauen ihre Brutzellen in Käferfrassgänge im Totholz von Holzhaufen, alten Pfählen, alten Häusern und Scheunen etc.

Für diese Bienen können sogenannte Wildbienenhäuser angeboten werden. Leider sind die Nisthilfen häufig fehlerhaft und schaden den Bienen sogar! Aufstehende Späne schlitzen die feinen Flügel der Bienen! Wildbienenhaus richtig gebaut

Wildbienenhäuser sind vor allem eine spannende Möglichkeit, die Wildbienen bei ihrem Brutgeschäft zu beobachten.

Wiesenflockenblume, Skabiose, Hornklee, Dost, Grosse Braunelle, Natternkopf, Möhre, Glockenblume...,

Den Wildbienen fehlen geeignete Blüten

Resedenmaskenbiene,
spezialisiert auf Resede

Viele Wildbienen sind entweder auf eine einzige Pflanzenart oder eine einzige Pflanzenfamilie oder deren zwei oder drei spezialisiert. Ihre kleinen Nachkommen können nämlich nur deren spezielle Pollen verdauen.

Wenn diese Pflanzen fehlen, fehlen auch die entsprechenden Wildbienen. Wildbienen brauchen deshalb in erster Linie bunte Blumenwiesen mit einem grossen Blütenangebot.

Blühende Heckenränder und Ackerrandstreifen, extensiv bewirtschaftete, sonnige Wiesenborde sowie Naturgärten mit entsprechendem Wildblumenangebot sind gefragt!

Wildbienen nisten im Boden

Die meisten Wildbienen bauen ihre Brutzellen im Boden. Sie brauchen dafür meistens offene, unbewachsene Sand- oder Lehmflächen.

Sie nisten in Anrissstellen, in steilen Wegböschungen, in alten Sand- und Kiesgruben oder, wie in den Bildern unten, in wenig bewachsenen Feldwegen.

Sandhäufchen auf Feldweg
Öffnen des Nesteingangs
...nächster Sammelflug
eine weitere Heimkehrerin
Bewachte Eingänge?
Erweiterungsbauten

Einige Furchenbienenarten bilden kleine Völker, ähnlich wie die Hummeln. Sie bauen ihre Nestanlagen in sandige Böden.

Für die Bodennistenden Arten sind offene Bodenstellen, sandigkiesige Wege und Plätze, alte Kies- und Sandgruben existentiell.

Leider werden immer mehr Feldwege befestigt, die Nistplätze verschwinden und mit ihnen auch die Bienen.

Naturgärten für bodennistende Wildbienen

Naturgärten können mit sandigen Plätzen und kiesig-sandigen Wegen, unbefestigten Fugen in Plattenbelägen und Trockenmauern wichtige Nistplätze für Wildbienen sein.

Mit wenig Aufwand erhalten magere Standorte durch sorfältiges Jäten einen lockeren bis gar keinen Bewuchs.

Nicht hacken und nicht umgraben, der Boden ist bewohnt!

Ausserdem finden Wildbienen in Naturgärten auch genügend geeignetes Nistmaterial, wie Pflanzenhaare, Blattstücke, Lehmklümpchen und Steinchen, Pflanzensekrete für die Imprägnierung der Zellwände, Baumaterial für Aufbauten auf Mauern, alte Schneckenhäuschen etc.

Kuckucksbienen

Die Trauerbiene ist
Kuckuck bei der Frühlingspelzbiene

Ein Viertel aller Wildbienen baut keine eigenen Nester, sie legen, wie der Kuckuck, ihre Eier in fremde Nester. Sind die Larven geschlüpft, töten sie das Wirtsei oder die -larve und ernähren sich vom Nahrungsvorrat in der Brutzelle. Im nächsten Jahr schlüpft die fertige Kuckucksbiene.

Kuckucksbienen sind je auf eine Wildbienenart und ihre wenigen Verwandten spezialisiert. Finden sie keine solche Brutzellen, so können sie sich nicht fortpflanzen.

Kuckucksbienen sind in der Regel auf den gleichen Blüten wie ihre Wirtsbienen zu finden. Sie halten sich auch in der Nähe ihrer Nester auf und versuchen in einem günstigen Moment ein Ei in eine fertige Brutzelle zu legen.

Sie haben keine Pollensammeleinrichtungen, keine Bauch- oder Beinbürste.

Hummeln

Hummeln sind Wildbienen. Anders als die meisten Wildbienen leben sie jedoch in grösseren Staaten von 50 - 500 Tieren. Sie bauen ihre Nester in vorgefundenen Hohlräumen. Dort leben die Königin, die Jungköniginnen, die Drohnen (männliche Hummeln) und die Arbeiterinnen.

Ackerhummel auf Golddistel

 

Hummeln leben nur einen Sommer lang, einzig die begattete Königin überwintert. Zeitig im Frühling beginnt sie mit dem Eierlegen, daraus schlüpfen die ersten Arbeiterinnen. Den Sommer über pflegen die Arbeiterinnen die Brut und sammeln Pollen und Honig.

Die jungen Königinnen und die Drohnen schlüpfen im Sommer und Spätsommer und verpaaren sich. Im Herbst sterben die alte Königin, die Drohnen sowie alle Arbeiterinnen.

Wildblumen in Töpfen

Wildblumen sind rar, sie können aber auch ohne grossen Aufwand in Töpfen und Balkonkkästen gezogen werden.

Eine geschickt mit Wildstauden arrangierte Balkon-Bepflanzung ist äusserst attraktiv. Ausserdem freuen sich Schmetterlinge und Wildbienen.

Ideal sind die Pflanzen der Trockenstandorte, denn sie ertragen auch mal einen etwas längeren Durst.

Bei uns gedeihen Kartäusernelken, Kriechendes Gipskraut, Sandthymian, Rundblättrige Glockenblume, Heidenelke, Weidenalant und Graslilie seit Jahren in denselben Töpfen mit immer der gleichen Erde.

Ich gebe jedes Frühjahr lediglich etwas frische Blumentopferde oben dazu und dünge 2-3 mal im Jahr mit einem organischen Flüssigdünger.

Auch Wasserpflanzen können ohne Weiteres in Töpfen und Kübeln gezogen werden.

Mit spezieller Bepflanzung könnten auf diese Weise mit etwas Geschick und Glück Wildbienen, welche auf einzelne Pflanzenarten spezialisiert sind, angelockt werden. Wenn sie ausserdem Nistplätze und Nistmaterial finden, werden sie sich vielleicht niederlassen.

Blütensaum: Zaunwicke und Nachtnelke

 

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